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Blogparade – Mein Lieblingsbuch

 

Bei Jennifer Jäger gibt es eine neue Blogparade mit dem Thema „Mein Lieblingsbuch

Das trifft sich wunderbar, wollte ich doch schon längstens mein absolutes Lieblingsbuch vorstellen, welches mich seit – grübel – etwa 15 Jahren begleitet.

Entdeckt habe ich es in der Büchersammlung meines Vaters, auf seinen Geschmack war schon immer Verlaß und darum habe ich mich in Teenagerjahren daran gemacht alle seine Bücher zu lesen. Geschafft habe ich zwar sicher bloß 2 Drittel davon, aber immerhin habe ich dabei viele Schätze gefunden.

Der größte Schatz von allen: Richard Brautigan und sein 1968 erschienener Roman „In Wassermelonen Zucker“ (Originaltitel: In watermelon sugar)

Mein Vater hatte eine der frühen deutschen Ausgaben zu Hause, ein buntes, gezeichnetes Cover mit Tiger drauf. Als mein Vater mir die Familienwohnung überließ und auszog, habe ich das Buch zurückgehalten, ich wollte es nicht missen müssen alle paar Wochen mein Näschen reinzuhalten, den Buchduft aufzusaugen und die erste Seite zum 100sten Mal durchzulesen (ja, ich kann sie mittlerweile auswendig 😉

Irgendwann beging ich den Fehler und habe das Buch einer Internetbekannschaft gebort, aus der dann nichts wurde und er wollte es mir wohl aus Strafe, Rache oder bloß verletztem Stolz nicht mehr wiedergeben. Ich habe mir eine Neuauflage nachgekauft, seitdem lese ich nicht mehr so oft darin, obwohl das neue Buch eigentlich schöner ist, aber es fehlt ihm die Authentizität des alten Buches meines Vaters.

Das war die Geschichte wie das Buch und ich uns fanden, verloren und dann doch wieder gefunden haben. Nun zur Geschichte, die das Buch erzählt:

„In Wassermelonen Zucker ereigneten sich die Taten und Dinge immer und immer wieder, so wie sich mein Leben in Wassermelonen Zucker ereignet. Ich erzähle Ihnen davon, weil ich hier bin und sie weit fort. Wo immer sie auch sind, wir müssen alles versuchen. Es ist ja eine so weite Reise, und wir haben nichts hier, womit wir reisen könnten, außer Wassermelonen Zucker. Hoffentlich geht es gut.“ – Kapitel „In Wassermelonen Zucker“ S. 7

Es spielt in einem Land gennant Wassermelonen Zucker, in einem Ort namens iDEATH. Ein namenloser Ich-Erzähler berichtet in kurzen Kapiteln über das Leben in Wassermelonen Zucker, über die 9 Dinge, die er besitzt, über Margaret, die immer auf das gleiche Brett tritt, über sprechende Tiger, die ermordert wurden, weil sie die Bewohner umbrachten, über Glasgräber im Fluß, die mit Glühwürmchen beleuchtet werden, damit man sieht, was einem erwartet, über vergessene Dinge aus den Vergessenen Werken und dass man aus ihnen Alkohol brauen kann, aber nicht trinken sollte, sonst endet man wie inBOIL und seine Gang. Und dann ist sie auch schon zu Ende, die Geschichte, die keine ist, weil sie wenig erzählt und kein richtiges Ende hat. 

„Hände sind sehr schöne Dinge, besonders wenn sie vorher in die Liebe verwickelt waren.“  – Kapitel „Hände“ S. 49

Ich könnte sie immer und immer wieder lesen, die einfachen Worte, die schönen Beschreibungen einer Phantasiewelt, einer Reise in den eigenen Kopf? Ich bin nie dahintergekommen, was es bedeuten soll, wofür die Metaphern stehen. Geht es um Kreativität, ums Schreiben? Vieles deutet daraufhin. iDEATH eine Mischung aus Idea und Death, oder Ich-Tod? Vergessene Bücher, Millionen davon, darum werden sie als Heizmaterial verwendet, der Erzähler, der ein Buch schreibt, dieses Buch? Ach, ich weiß es nicht, aber darum geht es auch nicht.

„Ich lag lange auf meinem Bett ohne mich auszuziehen, ließ die Laterne an und betrachtete die Schatten im Zimmer. Es waren ziemlich hübsche Schatten in einer Zeit, die so bedrohlich war, die immer näher kam und alles umschloß. Ich war jetzt so müde, dass meine Augen ihren Dienst versagten und nicht zugingen. Die Lider wollten sich nicht senken. Meine Augen waren die Statuen von Augen“. – Kapitel „Hütte“ S. 92

Am Ende bleibt einfach ein kurzes, schönes wie seltsames Buch eines sehr originellen Autors (alle anderen Brautiganbücher sind auch sehr zu empfehlen!).

„Einer der Tiger fing an, meine Mutter zu fressen. Er biß ihr einen Arm ab und begann, daran herumzunagen. „Was für eine Geschichte willst du denn hören?“ – „Ich will keine Geschichte hören“, sagte ich. „OK“, sagte der Tiger und biß ein Stück von meinem Vater ab. […] „Ihr könntet mir bei meinen Rechenaufgaben helfen“, sagte ich.“ – Kapitel „Rechenaufgaben“ S 41/42

Richard Brautigan – In Wassermelonen Zucker

2003 Kartaus Verlag Martin Stein, Regensburg
ISBN: 3-936054-03-7
1. Auflage
Copyright 1968 by Richard Brautigan



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Keine Kommntare

  • Antworten
    Frau Schulz
    11. März 2013 at 05:40

    Das Buch klingt wunderschön, ich habe es mir direkt bestellt!
    Kann es sein, dass Mr. Brautigan dem Surrealismus zuzurechnen ist?! Erinnert mich nämlich sehr an meinen Lieblingsautor (Boris Vian), der als französischer Surrealist immer und immer wieder verzaubert..
    Übrigens finde ich die Blogparade eine tolle Sache, da werde ich auch mitmachen und mein Lieblingsbuch (NATÜRLICH von Vian 😉 ) vorstellen.

    Alles Liebe,
    Frau Schulz

    P.S.: Wenn ich "In Wassermelonen Zucker" gelesen habe, sage ich dir natürlich, wie ich es fand 🙂

  • Antworten
    Salka
    11. März 2013 at 07:48

    Huhu Frau Schulz!

    Freut mich, dass das Buch dich interessiert (trotz meiner mäßigen Rezension) Dachte ich mir, dass dir die Blogparade gefallen wird, bin schon gespannt auf Vian, von ihm habe ich noch nichts gelesen (hoffentlich gibt es seine Bücher in der Bücherei)

    Surrealist oder Imaginist, er gehörte der San Francisco Hippieszene in den 60igern an, das erklärt vermutlich warum er über sprechende Tiger schreibt 😉

    Schreib mir unbedingt, wie du ihn findest!

    LG Angie

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